Der Simca P60, die letzte grosse Verwandlung des Aronde
Der auf dem Salon 1958 fuer das Modelljahr 1959 vorgestellte P60 behielt die Struktur des Aronde, gab ihr aber ein deutlich moderneres Gesicht. Simca versuchte damit, das eigene Erfolgsmodell in die 1960er Jahre hinueberzuretten, ohne ganz neu anzufangen.
Diese letzte grosse Entwicklungsstufe sagt viel ueber die Marke: den Geschmack fuer Stil, den Sinn fuer Modellfamilien und den Willen, einen aelter werdenden Verkaufserfolg zu verlaengern.
Eckdaten. P60 bedeutet "Personnalisation annees 60". Limousinen, Monthlery, Monaco, Grand Large, Ranch und Etoile teilen sich die Reihe zwischen 1959 und 1963, mit Flash- und spaeter Rush-Motoren.
Ein Aronde fuer eine neue Dekade
Der P60 begann nicht auf leerem Papier. Er uebernahm die Grundstruktur der spaeten Aronde-1300-Modelle, erhielt aber einen deutlich neueren Auftritt. Der Kuehlergrill oeffnete sich weiter, das Dach wurde neu gezeichnet, die Heckscheibe groeßer und das Armaturenbrett moderner.
Das Ziel war klar: den Aronde in die 1960er Jahre fuehren, ohne eine Rezeptur zu unterbrechen, die im Verkauf noch funktionierte. Es war eine tiefgehende Ueberarbeitung und nicht nur eine kleine Retusche.
Ein frueher P60 mit der neuen Frontpartie.
Eine Modellpalette fast im Ueberfluss
Den P60 gab es in beeindruckend vielen Ausstattungen und Karosserieformen. Neben Etoile-, Elysée- und Monthlery-Limousinen standen Grand-Large-Coaches, ehrgeizigere Monaco-Versionen, familienorientierte Ranch-Modelle und einfachere Varianten fuer den Einstiegspreis. Die Familie wurde sehr reich, mitunter fast unuebersichtlich.
Gerade diese Fuelle erzaehlt viel ueber Simcas Strategie: moeglichst jedes Marktsegment besetzen. Sie erklaert auch, warum Varianten wie die beruehmten Bacalan-Wagen oder kurze Serien heute unter Liebhabern einen eigenen Rang haben.
Ein P60 Elysee aus der regulären Modellreihe.
Vom Flash zum Rush
Technisch durchlief der P60 eine Uebergangsphase. Die fruehen Versionen blieben den spaeten Aronde-1300-Modellen mit Flash-Motor sehr nah. Danach staerkte der Rush-Motor die Baureihe und gab den besser ausgestatteten Varianten eine solidere Basis. Je nach Ausfuehrung konnte das Auto also sehr sachlich bleiben oder ein wenig mehr Temperament bieten.
Die Simcamatic-Getriebeoption und die vielen Innen- und Aussenpraesentationen verstaerkten den Eindruck einer Reihe in dauernder Bewegung, die mit derselben Grundbasis verschiedene Kundengruppen ansprechen wollte.
Der Monaco zeigt die gehobenere Seite der P60-Familie.
Ein schneller Erfolg, dann ein Stil, der rasch altert
Der Start war ein echter Verkaufserfolg. Das Publikum nahm sofort einen Aronde wahr, der auffaelliger, besser ausgestattet und in vielen Farb- und Ausstattungsvarianten verfuegbar war. Doch genau das, was ihn anfangs attraktiv machte, wurde spaeter auch zu seiner Grenze: Der Stil alterte schnell.
Zu Beginn der 1960er Jahre veraenderte sich der Markt, die Linien wurden schlichter und Simca bereitete bereits andere Antworten vor. Der P60 blieb zwar sichtbar, hatte aber nicht mehr den Vorsprung, den sein Name versprach.
1963, das Ende einer Familie
1963 endete die Produktion. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Aronde die Millionengrenze laengst ueberschritten und eine aussergewoehnlich breite Modellfamilie hinterlassen. Der P60 war ihr letztes grosses Gesicht, das einer Baureihe, die ueber Stil ebenso gefallen wollte wie ueber den praktischen Nutzen.
Gerade deshalb bleibt das Modell heute interessant: Es zeigt, wie weit Simca die Aronde-Logik treiben wollte. Der P60 ist nicht nur ein Auslaufmodell, sondern der sehr sichtbare Schluss einer langen industriellen und volkstuemlichen Geschichte.
Die P60 wirkt oft zugleich wie ein verlaengerter Aronde und wie ein neues Auto. Um sie richtig zu lesen, muss man sehen, was Simca zum Modelljahr 1959 ganz konkret veraendert.
Die P60 behaelt die Aronde-Struktur, doch ihre visuelle Lesart wird deutlich demonstrativer.
Eine deutlich entschiedenere Front
Der Kuehlergrill oeffnet sich weiter, und die Front wirkt entschlossener als bei den Aronde 1300 mit Oceane-Linie. Das Auto will in eine neue Dekade eintreten, ohne seine Basis ganz zu verleugnen.
Diese Entwicklung reicht oft aus, um den Charakter des Wagens zeitlich einzuordnen. Die P60 will auffaelliger sein als der vorherige Aronde.
Dach und Heck veraendern das Gleichgewicht
Das Seitenbild ist ebenso wichtig. Dachlinie, Heckscheibe und allgemeine Karosseriebehandlung verschieben das Modell in Richtung von mehr Modernitaet und manchmal auch von mehr Betonung.
Gerade hier zeigt sich die Simca-Methode am besten: einen alten Erfolg weit genug zu treiben, um ihm nochmals kommerzielle Zukunft zu geben.
Eine echte P60 verlangt mehr als ein Einzelmerkmal
Wie bei vielen Volksautos der 1950er Jahre sind Teilemischungen haeufig. Front, Innenraum, Zierleisten, angegebene Version und Gesamtstimmigkeit muessen zusammen gelesen werden.
Gute Identifikation beruht nicht auf einem einzigen Zeichen. Sie verlangt, den Wagen in die letzte grosse Phase der Aronde-Geschichte einzuordnen.
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